Direkthilfe startet das Sommerprogramm
Für
uns, Andreas und Jakob, ist heute der letzte
Tag in Lahore. Es ist wieder sehr heiß
geworden, wenn der Ventilator in der Nacht wegen
eines Stromausfalls sich nicht mehr dreht wachen
wir unvermittelt auf. Verschwitzt haben wir
heute daran gedacht, wie es im Kashmir werden
wird. Zumindest am Abend kühlt es dort
immer beträchtlich ab.
Wir haben jetzt alle Vorbereitungen
abgeschlossen. Das Auto steht vor der Tür,
es beginnen 2 Monate Arbeit in den Bergen. Wir
haben viel Zeit gehabt die geplanten Projekte
vorzubereiten und Direkthilfe hat sich fuer
den Sommer 2006 viel vorgenommen:
Gemeinsam mit einer interaktiven
Theatergruppe aus Lahore [www.interactivetheatre.org.pk],
Waseem, Fajad und 2 Mitarbeiterinnen und Mathilde,
einer freiwilligen Theatermitarbeiterin aus
Frankreich haben wir uns am Montag in der Früh
getroffen. Sie werden im Juli nach Bagh kommen
um mit einer Gruppe von Kashmiris an einem Stück
zu arbeiten in dem alle die Möglichkeit
bekommen über ihre Situation zu erzählen.
Silke und Firouzeh von Glocal
Films [www.glocalfilms.net]
werden eine teilnehmende Videoarbeit in Bagh
organisieren. In diesem Projekt geht es darum,
dass die Teilnehmer selbst die Filmemacher sind.
Das Thema und Genre wird von der Gruppe ausgesucht
und umgesetzt. Anstatt nur auf das Endprodukt
zu schauen, wird dem Filmprozess mehr Aufmerksamkeit
gegeben. Kommunikation, Ausdrucksmoeglichkeit
und Teamarbeit stehen im Vordergrund. Nach den
traumatischen Erlebnissen des Erdbebens bietet
die Filmarbeit ein Ventil zur Verarbeitung des
Geschehenen. Geplant ist auch die Arbeiten der
Video- sowie der Theatergruppe miteinander zu
verbinden.
Am Nachmittag konnte Andreas
dann mit Freunden der Firma Rich Seeds die letzten
Entscheidungen für unser Saatgut Projekt
treffen. Für den Einkaufspreis von ca.
8 Euro hat er uns eine "Familenpackung",
das sind Tomaten, Gurken, Zuchini, Blumenkohl
und Kohlrabi fuer ein 1 Canal (ca. 505 Quadratmeter)
grosses Feld zusammengestellt. Die ersten 50
Saatgutpakete hat er uns gearde geliefert und
auch spendiert. Gemeinsam mit den Bauern werden
wir vor Ort ein Training durchführen um
ihnen den richtigen Umgang mit diesen Samen
beizubringen. So können wir auch für
die Zukunft ihre Effizienz erhöhen denn
wie uns Imran erklärt hat liegt ein großes
Problem beim Umgang mit Saatgut darin, dass
die Bauern nur die Hälfte des Gemüses
ernten können nachdem sie einen Großteil
der Samen verlieren indem sie falsch damit umgehen.
Noch während dieses Treffens
konnte Jakob mit einer NGO aus Schottland und
einer Konstruktionsfirma aus Faisalabad den
Vertrag über 10 weitere Schulgebäude
abschließen. Das Material für 8 Gebäude
liegt bereits in Bagh, von einer weiteren NGO
aus Schottland konnten wir diese übernehmen.
Die weitere 10 werden wir am Ende des Monats
erhalten. Insgesamt kosten uns diese Konstruktionen
2.59 Millionen Rupees, das sind knapp mehr als
34.000 €. Das sind knapp 2000 Euro fuer
ein Gebaeude. Die schottische NGO hat uns als
Bonus auch noch einige tausend Rupees geschenkt.
Der Aufbau der Gebäude ist im Preis bereits
inbegriffen. Vor Ort werden wir uns um die Einrichtung
und sanitären Anlagen kümmern und
die Zukunft dieser Schulen sichern, in dem wir
Lehrer verpflichten ,die dann im September mit
dem Unterricht beginnen können.
Wir werden in den ersten paar
Tagen mehrere Dörfer besuchen um herauszufinden
wo noch immer keine Schulen stehen und wo sie
strategisch am besten errichtet werden können.
Wir müssen entscheiden ob es besser ist
in vielen kleinen Dörfern kleine Schulen
für wenige Kinder zu bauen oder größere
Gebäude in zentraler Lage zu errichten.
Abgesehen davon, dass ob der unzugänglichen
Gebiete und den selten flachen Plätzen
im Kashmir die Errichtung mehrere Gebäude
an einem Ort immer eine schwierige Angelegenheit
ist wird es nicht leicht Entscheidungen über
die zukünftigen meist sehr umständlichen
Schulwege der Kinder und Lehrer zu entscheiden.
Gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung werden
wir versuchen die beste Vorgehensweise zu bestimmen.
Während der Arbeit mit
der lokalen Bevölkerung und insbesondere
den Kindern haben wir Zeit über ihre Situation
ein halbes Jahr nach dem Erdbeben zu sprechen.
Die Kinder haben selten die Möglichkeit
über ihre Erlebnisse, vom Einstürzen
der Schulen bis zum ersten Anblick ihrer eingestürzten
Häuser und dem langsamen Realisieren der
Situation, zu erzählen. Gemeinsam mit einem
Studenten einer Universität in Lahore wollen
wir versuchen einen Bericht über die Posttraumata
der Kinder und ihrem Verhalten in der Schule
zu erstellen. Besonders in der Schule ist es
jetzt besonders wichtig, dass die Kinder über
ihre Erlebnisse und das Phänomen Erdbeben
sprechen.
Das Erweitern der bereits von
Direkthilfe gebauten Shelter zu langfristigen
Häusern werden wir vor Ort entscheiden.
Einige unserer Freunde dort haben bereits selbstaendig
die Direkthilfe Shelter umgebaut. Die A-Konstruktion
des Shelters kann als Dach fuer ein kleines
Haus verwendet werden. Da Wiederaufbau der Haueser
hat in Kashmir noch nicht wirklich gestartet,
die Regierung laesst noch etwas auf die Wiederaufbaubestimmungen
fuer erdbebensichere Bauten warten. Fuer den
naechsten Winter werden wird aber auf jeden
Fall schon unsere Shelter erweitern und gemeinsam
mit einem lokalen Tischler, unserem Freund Zahid,
den Menschen beim Umbau helfen.
Wir moechten uns nochmals ganz
herzlich bei allen FreundInnen aus Europa bedanken.
Durch eure Unterstuetzung, eure Spenden, euer
Spendensammeln und einfach euer Dabeisein sind
wir motiviert unser Projekt fortzusetzen und
etwas fuer die Zukunft des zerstoerten Kashmirs
zu machen. Ein Erdbeben hinterlaesst jahrzentelange
Folgen und nur durch gemeinsame Arbeit und Motiavtion
selbst die Dinge in die Hand zu nehmen, kommt
die noetige Hoffnung und Freude wieder zurueck.
Bis heute haben viele von euch Spenden gesammelt,
Vortraege organisiert, Benefizabende veranstaltet.
Wir garantieren, dass wir das beste aus diesen
Spenden machen werden und werden euch wie immer
auf der Webseite von den vielen Projekten berichten.
Liebe Gruesse
Jakob, Andreas und das Direkthilfe Team
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