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Direkthilfe in Planungsphase - Finale


"Schulen, Shelter, Saatgut "

Es ist wieder warm und trocken im Kashmir. Die Einwohner von Bir Pani, wo Direkthilfe ein ganzes Shelter Dorf errichtet hat, erzählen, dass ihnen die für den harten Winter gebauten Shelter langsam zu warm werden.

Wir sind mit einem Team vom ORF gekommen die einen Beitrag fürs Fernsehen produzieren. Den ersten Tag unseres 3 tägigen Kashmiraufenthalts sind wir also mit Kameraeinstellungen und Interviews beschäftigt. Nebenbei ist es aber auch gut die Menschen zu treffen mit denen Andreas und Jakob und das Direkthilfe Team gemeinsam die Shelter gebaut haben. Sie freuen sich offensichtlich sie wieder umarmen zu können. Und umgekehrt ist es gut zu sehen, dass die Menschen hier das Lachen nicht verlernt haben. Ich bin das erste Mal im Kashmir und es überrascht mich sehr wie motiviert und glücklich die Leute hier wirken.

Am Abend haben wir dann die Möglichkeit uns lange mit Inam zu unterhalten. Er wird eine wichtige Kontaktperson für unsere zukünftige Arbeit Im Kashmir sein. Gemeinsam mit ihm besichtigen wir am nächsten Tag eine Schule die gerade außerhalb von Bagh von einer türkisch-pakistanischen Baufirma gebaut wird.

Gemeinsam mit einer Firma in Lahore haben wir schon einen Plan für den Bau von Schulen und die Erweiterung der Shelter zu permanenten Häusern entwickelt. Eine so genannte Sandwichkonstruktion aus Blech und Styropor stellt einen idealen Isolator dar. Gemeinsam mit erdbebensicherer Bauweise und traditionellen Bauelementen aus Lehm und Holz können sich die Menschen auch die eigenen Häuser wieder errichten.

Wir übernachten bei Qamar Zaman, einem der wichtigsten Politiker in der Region. Er spricht mit heißerer Stimme. Die Wahlkampfreden für die erste Wahl nach dem Erdbeben strengen ihn an.
Die Politiker machen Versprechen wie sie der Bevölkerung in Zukunft helfen werden.

Besonders jetzt wo viele NGOs und andere Hilfsorganisationen schon wieder ihre Zelte abbrechen ist es wichtig, dass die Bevölkerung eigene Initiativen ergreift. Qamar Zaman hat auch ohne Wahlkampf schon viel für die Bevölkerung getan, er war auch Gastgeber von Direkthilfe während Andreas, Jakob, Brigitte, Peter, Joanna und Safdar hier arbeiteten.

Doch Inam sagt er glaubt vielen Versprechen nicht. Es sind doch oft nur ‚Wahlversprechen\'. Er sieht sich auf sich selbst gestellt und will auch den Menschen mit seiner Baufrima direkt helfen und nicht auf die Hilfe von der Regierung oder irgendwelchen Richtlinien angewiesen sein. Er sieht die Situation realistisch und kann uns für unsere Pläne viele zusätzliche Ideen und Informationen geben.

Am 2. Tag besuchen wir mehrere NGOs und die UNICEF um genau zu eruieren wo unsere Arbeitsbereiche liegen werden und was für Aufgaben dabei auf uns zukommen. Die irische Organisation GOAL steht kurz vor der Abreise. Wir bekommen ein paar Tipps zum Schul- und Hausbau, ein paar Kontaktadressen.

Wir sind uns noch nicht sicher ob wir nach dem Schulbau auch das Schulmanagement übernehmen werden. Bei der UNICEF bekommen wir dafür schon viel mehr Material, alle gebauten, geplanten und noch zerstörten Schulen sind bereits "geexelt", es gibt genaue Listen mit allen wichtigen Informationen. Andreas und ich sind sehr motiviert nach diesen Treffen das Schulprojekt auch in organisatorischer Sicht voranzutreiben.

Die weiteren Projekte, Theaterworkshop und Samenverteilung, organisieren wir jetzt von Lahore aus. Hier haben wir unsere Kontakte mit denen wir uns in den nächsten Tagen treffen werden um einen genauen Plan zu erarbeiten.

Am zweiten Abend lädt uns Sahid zu sich nach Hause ein. Für mich wird es ein Erlebnis von Gastfreundschaft, dass ich noch nie erlebt habe. Wir fahren mit dem Jeep über eine kurvige Strasse von der Dämmerung bis in die stockfinstere Nacht. Die Lichter der Häuser lassen wir immer weiter unter uns bis sie zu einem Lichtermeer werden, dass dann und wann verschwindet wenn es zum kompletten Stromausfall kommt.

Bis zu seinem Haus, das er provisorisch aus einem Shelter errichtet hat ist es noch ein Fußweg von einer halben Stunde. Um 10 kommen wir an. Seine Frau steht extra für uns auf und beginnt zu kochen.

Sahid\'s älteste Tochter zeigt uns ihre Englischkenntnisse indem sie auf Englisch von 1 bis 100 zählt. In der SOS Schule in Lahore kann das in ihrem Alter kein Kind. Schulbildung spielt hier im Kashmir wirklich eine andere Rolle. Die Standards sind hier und in den Northern Areas Pakistans um einiges höher als im Rest des Landes. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass die Schulen bald wieder funktionieren.

Am nächsten Tag in der Früh sehe ich in der Früh wie die Kinder neben der Strasse unterrichtet werden. Es gibt keine Schulbänke und keine Toiletten, die Schüler sitzen am Boden, im Kreis um den Lehrer. Bei uns ist nach diesen 3 Tagen die Motivation nur weiter gewachsen hier das Projekt Schulaufbau so effizient wie möglich durchzuführen. Aus dem Input von anderen NGOs sind bei uns auch wieder viele eigene Ideen gewachsen und wenn wir die Kinder und die zerstörten Schulen sehen ist das die Motivation die Ideen auch zu verwirklichen.

Zurück im etwas heißeren Lahore sind wir jetzt gerade dabei das Material zu ordnen und die genaue Vorgehensweise zu planen. Sobald wir ein paar Schritte weiter sind werden wir wieder berichten.

Jakob Steiner










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