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Hilfseinsatz - Bagh

 

Winterfeste Unterkünfte für 200 Menschen

Am 06.11. Sonntagabend erreichen wir Nakker, einen Weiler von Bir Pani- Bagh Distrikt, eine verstreute und durch das Erdbeben völlig zerstörte Siedlung, vereinzelte Häuser, die sich an die Kashmirischen Huegel schmiegen und sich durch Farben und Form unscheinbar natürlich in die Herbstlandschaft einfügen.

Oberhalb der Hauptstrasse, auf einem ehemaligen Spielplatz haben 20 Familien ein Zeltdorf errichtet. Alle sind weitläufig miteinander verwandt und haben sich nach dem Erdbeben aufgrund der dort gefassten Wasser-Quelle und Strassennähe zusammengefunden. Unser Kontaktmann Sardar Isaak, der ebenfalls aus diesem Dorf stammt, stellt uns vor. Der Empfang ist herzlich zurückhaltend, allgemein scheint die Stimmung postitiv, die Gesichter zwar müde, aber nicht bedrückt. Die Frauen und Kinder sitzen um eine Feuerstelle, reden leise, kochen Tee. Die Maenner sitzen daneben und diskutieren. Dann gehen zwei Glühbirnen an, „Seit gestern gibt es Strom“, sagt uns Ourangzeb, einer der Männer des Dorfes. Wir treffen Naveed, der lang in Dubai lebte und gut Englisch spricht. Er erzählt uns vom Beben und dass er seine Schwester und Tante verloren hat. Trotzdem ist es wichtig nach vorn zu schauen. „Wir brauchen unbedingt Shelters fuer den Winter, die Zelte sind nicht ausreichend.“ Das ist momentan aller Priorität. Die zwanzig Familien haben sich an ein gemeinsames Leben gewöhnt, sich arrangiert. „Mein Gott, früher hatten wir die Waschmaschiene, den Kühlschrank“ sagen die Frauen ironisch, „Jetzt geht\'s auch, wir helfen halt zusammen so gut es geht.“ Die Vorteile in einer grossen Gruppe zu leben überwiegen, es gibt einfach mehr Infrastruktur und gemeinsam ist man stärker: Ek akela, do giara – einer allein, zwei elf, heisst ein Sprichwort in Urdu. Alle nicken: Den Winter wollen sie gemeinsam überstehen und auf dem Platz, auf dem sie jetzt wohnen, Unterkünfte aus Wellblech und Holz bauen. Im Gegensatz zum Nachbar-Weiler Jabber , in dem es sehr viele neuere Häuser mit Wellblechdächern gab, das als Rohmaterial für Winter-Unterkünfte wieder verwendet werden kann, haben diese Familien in traditionellen Lehmhäusern mit flachen Lehm- und Holzdächern gewohnt, alle bis auf einen Toilettenzubau sind zerstört worden.

Wir beschliessen, unser Projekt mit diesen zwanzig Familien zu starten. Nach dem Essen kommen die Männern des Dorfes in unser Zelt und wir diskutieren die Vorgehensweise. Wir erzählen ihnen von Javeds Prototyp aus Rawlakot und unser Vorhaben, zwanzig dieser Shelters hier mit ihnen zu realisieren. Sie diskutieren ihre Möglichkeiten, Ressourcen, den vorhandenen Werkzeugstock und ihre Fähigkeiten, aktiv etwas beizutragen. Sardar Isaak fordert sie auf, eine kleine Gruppe von Männern aufzustellen, die sich mit uns koordinieren wird.

Wir besprechen unseren Zeitplan: Wir kommen nächstes Wochenende wieder mit Werkzeugen, Wellblech, Plänen, Know-How, um mit dem Aufbau zu beginnen. Sie werden in der Zwischenzeit Holz sammeln und bereitstellen. Am nächsten Morgen erfassen wir die Namen aller, die im Dorf leben, zusammen mit deren verstorbenen Angehörigen sind es 200 Menschen. Die Männer erstellen eine Liste von Bedürftigen, diese erhalten fünf weitere Zelte und Decken. Alle bekommen je zwei Paar warme Socken.

Am naechsten Tag zu Mittag verlassen wir Nakker, die Männer schütteln uns die Hände, die Frauen und Kinder winken uns mit lachenden Gesichtern zu. „See you, pir milenge, choda hafeez“.

Wir fahren zurück nach Rawlakot, aufgeregt und erleichtert. Das Treffen mit den Menschen dort hat uns berührt, motiviert. Wir können konkrete Pläne machen und besprechen alles mit Javed. Er wird für 550 Wellbleche in Rawlakot sorgen, gibt uns Details über den Bauplan und kann uns im Fall auch drei junge Männer, die bereits Unterkünfte gebaut haben, mitschicken. Der Transport bleibt noch offen, ist aber durch unsere Kontakte sicher machbar.

Auf der Heimfahrt diskutieren wir heftig über die kommenden Herausforderungen an uns: Menschen anzuleiten, ihre Eigeninitiative wiederzuerwecken, sie zu begleiten, sie nicht zu „Bettlern“ zu machen, sondern zu aktiven Mitarbeitern, die mitbestimmen und sich verantwortlich fühlen. Praktische Fragen bleiben offen:

Wer fährt am Sonntag als Team wieder nach Bagh? Welche Art von Isolation verwenden wir, wie können wir den Shelter auf einem sehr steinigen Untergrund befestigen? Wie integrieren wir Frauen und Kinder?

Der Winter scheint überstehbar, wir haben noch zweieinhalb Wochen Zeit, dann sollte es zum ersten Mal heftig schneien. Die Strassen werden dann gesperrt sein. Bis dahin wollen wir es geschafft haben.

Wir wollen diese Menschen in Nakker weiter begleiten, nach dem Winter gilt es das grosse Thema des Wiederaufbaus, der Arbeits-Reintegration anzugehen.

Konkret wollen auch wir zu einer Dokumenation des Lebens dieser Menschen in Azad Kashmir beitragen. Viele sollen von unserem Projekt erfahren.

Brigitte Hochrainer










Berichte:
Einsatzlog Nakker (pdf)
Presentation of Low Cost Shelter (ppt)
Landkarten

Download:
Bilder 500x373 (zip 2,5 MB)
Bilder 700x525 (zip - 4,1 MB)

Hilfsmittel/Ausgaben - Nakker (vorläufig):

Diverse Werkzeuge
146,44 €
Maschendrahtzaun
65,75 €
Seile
15,62 €
Spray
4,11 €
Handschuhe
12,05 €
Draht
26,51 €
Shaufeln
16,44 €
Äxte
17,37 €
Nägel
118,63 €
Transport
8,45 €
Säcke 50kg
10,96 €
Chettays
26,71 €
Werkzeugkisten
10,96 €
Kappen
35,62 €
Diverse Werkzeuge
104,38 €
Schlösser
1,44 €
Jaken
5,48 €
Plastikrollen
88,97 €
Print
41,10 €
Reifen
23,29 €
Fußbälle
45,55 €
Treansportermiete
632,88 €
   
Vorläufige Ausgaben
1.458,70 €
Berechnete Gesamtausgaben Projekt:
3500,00 €

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